Meine Arbeit vorstellen. Wenn Sie jetzt kommen würden. So wäre es möglicherweise.

Der Therapieraum ist ein kleiner, wirklicher Theaterraum.  An der Randseite der ebenerdigen Bühne auf zwei Stühlen beginnt die Begrüßung und Einführung. In diesem therapeutischen Setting ist die Bühne ein geschützter Raum. Sie dient als symbolische Verortung des eigenen inneren Raumes. Er ist ebenfalls geschützt, als unterstützender, wissender, kreativer, vollständiger, eigener Anteil. Die Bühne als innerer Raum ist sozusagen Ihr Eigentum. Teil der Einführung ist auch das Phänomen Theater an sich:  Alle Emotionen gehören zu uns Menschen und dürfen ans Licht. Vom Senfkorn bis zum Weltall, von Personen bis zu Zuständen kann alles in den Raum integriert werden. Die vielen Potentiale von Theater sind in der Geschichte der Menschheit schon lang etabliert.

 

Im Anschluss schildern Sie Ihr Anliegen. Je nach Befindlichkeit ist Bewegung im Raum möglich oder Begegnung auf der eher verbalen Ebene der Stühle. In beiden Fällen dient eine kurze Bewegungseinheit dem Ankommen in Körper und Raum. Jetzt haben Sie die Bühne als eigenen geschützten Raum zu Ihrer Verfügung. Sie betreten ihn, erforschen ihn, beheimaten Anteile des Prozesses oder der eigenen Geschichte in diesem Raum. Meine Rolle ist die der Begleiterin am Rand. Mit Anregungen oder Resonanz zum Geschehen halte ich den geschützten Raum. 

 

Anteile einer offenen oder geschlossenen Gestalt können auf der Bühne erfühlt und bearbeitet werden. Wenn sich das als eine Art Momentaufnahme vollständig anfühlt, ist ein Perspektivwechsel in den Zuschauerraum möglich. Was ist das für eine Gestalt? Worum geht es? Was braucht es? Was ist das Ganze? Aus der beobachtenden Distanz sind viele Ansichten möglich. Oft entsteht hier ein Impuls, der mit auf die Bühne genommen wird. Diese abschließende Phase kann wie auch andere Momente zuvor nonverbal bleiben. In Bewegung oder in Worten, in Gesten, in Tanz, mit stiller oder hörbarer Musik, geben die Anwesenden dem Prozess eine Abrundung. Manchmal erlangt dies eine hohe Intensität „auf den Brettern, die die Welt bedeuten“. Die unsichtbare Welt im Zuschauerraum sieht zu, ist Zeugin. Auch Tanz als eine Art körpereigene Selbstheilungskraft ist in der Geschichte der Menschheit lang verankert. Wie zu Beginn endet die Sitzung mit einer kurzen Abschlussreflexion auf den Stühlen. 

 

Ziel der Arbeit ist, dass Sie Ihre bewusste Präsenz als kompetentes, ganzheitliches Lebewesen wahrnehmen. Darunter verstehe ich, dass wir ein Körper sind, nicht einen Körper haben und unterschiedlichste Fähigkeiten in uns zur Verfügung stehen. Diese Fähigkeiten umfassen so viele Schichten, sind kaum mit „Denken, Fühlen, Handeln“ oder ähnlichen Kategorien zu definieren.  Was wir zur Gestaltung unseres Lebens benötigen, liegt bereits in uns. In der gemeinsamen Arbeit entsteht ein Zugang zu den eigenen Werkzeugen der Gestaltbildung und bewussten Bewegung. Nach Ablauf dieser Zeit können eigenen Themen autonom bearbeitet werden. Diesen Aspekt der „Hilfe zur Selbsthilfe“ schätze ich ebenfalls an der Gestalttherapie.